Gaetano Donizetti
ANNA BOLENA - Giovanna Seymour
München / Bayerische Staatsoper / 30. Oktober 1995 (P)

© tz, Münchner Tageszeitung, 2. November1995, Seite 22, Beate Kayser

... Ob einem jemals warm ums Herz wird dabei, steht auf einem anderen Blatt. Auf einem zum Beispiel, das die junge Vesselina Kasarova beschreibt, Annas Gegenspielerin Johanna Seymour. Hier ist bei herrlich timbriertem, gut ausgebildetem und stilsicher geführtem Mezzo in jedem Ton eine Wärme, eine Wahrheit anwesend, die hinter Donizetti Mozarts Leidensfiguren Sesto oder Annio durchschimmern lässt, auch die dunkle Leidenschaft von Verdis Eboli. ...

© Neue Zürcher Zeitung, 3. November 1995, Seite 34, Peter Hagmann

... Alles überstrahlend und der Primadonna ebenbürtig Vesselina Kasarova in der Partie der Johanna Seymour, jener Hofdame, auf die des Königs Auge gefallen ist: eine Stimme von vielfarbiger Leuchtkraft, einem sagenhaften Tonumfang und voller Wärme selbst in den extremen Lagen. ...

© Opernwelt, Januar 1996, Seite 14 - 16, Thomas Voigt

... Sicher ist die CD, eine Aufzeichnung einer konzertanten Aufführung im Wiener Konzerthaus, schon aus discographischen Gründen ein Muss; doch wenn ich die Wahl hätte, wäre mir ein Mitschnitt der Münchner Aufführung lieber - vor allem wegen der Giovanna Seymour von Vesselina Kasarova. Bei ihr erlebt man, was man bei vielen Koloratur-Diven vermisst: die vollkommene Verschmelzung von Technik und Emotion. Da klingt nichts kalkuliert und "gemacht", jede Phrase wirkt ehrlich empfunden. Dazu eine fruchtige, reiche Stimme - Wonnen des Wohllauts. ...

© orpheus, Januar 1996, Seite 43, Matthias Exner

... Ein glanzvolleres Debut als das der Vesselina Kasarova lässt sich kaum denken: Mit dunkel klangvoller, interessant timbrierter Tiefe und dramatischer Durchschlagskraft in der Höhe verbindet sie perfekte Technik und Jugendlichkeit in Stimmklang und Ausstrahlung, was sie schlicht zur Idealbesetzung der Seymour macht. ...

© orpheus, März 1996, Seite 43, Matthias Exner

... und der überragenden Vesselina Kasarova, die in der Verbindung von musikalischer Linie und stimmlichem Ausdruck mittlerweile eine bewegende Vollkommenheit erreicht hat. ...


Gaetano Donizetti
ANNA BOLENA - Giovanna Seymour
Zürich / Opernhaus / 2. April 2000 (P)

© Neue Zürcher Zeitung, 4. April 2000, Seite 66, Peter Hagmann

... Wie sich Belcanto und Lebensnähe in aufregender Weise verbinden können, das zeigt jedoch Vesselina Kasarova, wie schon in München Vertraute und Rivalin der Protagonistin. Auf der Höhe ihres Könnens, technisch absolut souverän und zugleich hochexpressiv lässt die Sängerin nachvollziehen, in welch quälender Ambivalenz Giovanna Seymour zwischen Wollen und Zögern, zwischen Ehrgeiz und Loyalität steht.

© Tages-Anzeiger, 4. April 2000, Seite 67, Susanne Kübler

Das ist umso überzeugender, als Vesselina Kasarova als ihre Hofdame und Rivalin Giovanna Seymour einen ganz anderen Ton pflegt; mit ihrem dunklen, temperamentvollen Mezzosopran ist sie eine starke Gegenspielerin Gruberovas. Wie ideal sich die beiden ergänzen, zeigt sich bei Giovannas Geständnis, die neue Geliebte des Königs und damit Grund für die tödliche Intrige gegen Anna zu sein: Klanglich und darstellerisch treffen sich die zwei Frauen auf dem schmalen Grat zwischen Eifersucht und Verzeihen, Verletztheit und Liebe, Loyalität und Hass. ...

© Zürichsee-Zeitung, 4. April 2000, Seite 25, Werner Pfister

Edita Gruberova und Vesselina Kasarova - als Anna Bolena und Giovanna Seymour ideale Konkurrentinnen, eine Mischung aus musealer Operndiva und einer der Farbfilmleinwand abkopierten Visconti-Gestalt. Verletzend und verletzlich beide, leidend und lächelnd (unter Tränen), aufbegehrend und gedemütigt, zwischen ohnmächtiger Wut und schmerzlicher Hoffnung sich verzehrend. Kasarova schöpft mit junger, erotischer kerniger, opulenter Stimmfülle aus dem Vollen; Gruberova pariert mit ihrer makelloser, bis ins feinste technische Filigran ausgezirkelten legendären sängerischen Kunstfertigkeit. ...

© Der Bund, 4. April 2000, Seite 9, Martin Etter

... Nicht minder ereignishaft ist Vesselina Kasarova als Giovanna Seymour: Mit ihrer dunkelglühenden Stimme, ihrer untadeligen Gesangskunst und ihrer vitalen Ausstrahlung besteht sie das Duell der Primadonnen mit Auszeichnung. ...

© Blick, 4. April 2000, Seite 13, Ursula Litmanowitsch

... In der Handlung sind die beiden Frauen Rivalinnen. Die Gunst des Publikums aber gehört beiden, denn das Publikum liebt beide gleichermassen. Vesselina Kasarova als Seymour und Edita Gruberova als Anna sind ein grossartiges Duo. Stimmlich und darstellerisch dominieren sie alle Männerrollen auf der Bühne. Gruberova glänzt in der Schlussszene, wenn sie auf das Beil des Henkers wartet. Kasarova zieht das Publikum von allem Anfang an in den Bann ihrer warmen Stimme und ihrer erotischen Ausstrahlung. ...

© Zürcher Oberländer, 4. April 2000, Seite 23, Sibylle Ehrismann

... Zum sängerischen Höhepunkt des Abends wurde das Zusammentreffen der Anna mit ihrer Rivalin Giovanna im vierten Bild, in dem Giovanna der Königin mitteilt, dass sie ihre Nebenbuhlerin sei. Edita Gruberova und Vesselina Kasarova gestalteten den hier geforderten Wechselgesang im Duett, der zwischen Wut und Vergeben pendelt, zu einem dichten Miteinander von einmaliger Intensität. Überhaupt vermochte Kasarova die für einen Mezzo hohe Partie sicher und ausdrucksstark zu bewältigen und bot so mit ihrem dunkleren Timbre einen wohltuenden Kontrast zu Gruberovas heller Koloratur. ...

© Opernglas, Mai 2000, Seite 14, Andreas Weiß

... Wie schon in München sang neben ihr auch in Zürich Vesselina Kasarova die Partie der Giovanna Seymour. Die durch und durch glaubhafte Verkörperung dieser Rolle fand in ihrer stimmlichen Leistung eine beglückende Entsprechung. Unmanieriert und doch jede Nuance erspürend, gelangen die Rezitative. Ihr runder, in allen Lagen frei ansprechender Mezzosopran behielt auch in der Höhe sein natürliches Timbre. Und die Fiorituren ihres „Ah! Pensate che rivolti" im zweiten Akt waren nicht nur virtuoses Beiwerk, sondern innerlich erfüllt vom Charakter der Figur. ...

© Opernwelt, Juni 2000, Seite 41, Hanspeter Renggli

... Wenn die beiden Hauptpartien nun noch mit der einzigartigen Virtuosität und szenischen Präsenz wie in Zürich durch Edita Gruberova (Anna) und Vesselina Kasarova (Giovanna) gegeben werden, kann mit Fug nicht allein von einem Glücksfall der Besetzung, sondern auch von einer Sternstunde in der Rezeptionsgeschichte dieser Oper gesprochen werden. ... Vesselina Kasarova als ihre Vertraute und zugleich erfolgreiche Rivalin um die Gunst des Königs ist ihr bezüglich expressiver Gestaltung und virtuoser Brillanz wie bereits 1995 in München eine faszinierende Partnerin. ...