Jules Massenet
DON QUICHOTTE - Dulcinée
Zürich / Opernhaus / Juni 2003

© Zürichsee-Zeitung, 3. Juni 2003, Seite 25, Reinmar Wagner

... Vesselina Kasarova sang die Dulcinée, mit viel Souplesse, Koketterie und glockenreinen Koloraturen. Und sie machte deutlich: Die Carmen, die sie noch nie auf der Bühne gesungen hat, hat sie nicht nur in der Stimme, sondern auch in den Tanzbeinen, in ihrem Lächeln und in ihrem Charme. ...

© Zürcher Oberländer, 3. Juni 2003, Seite 17, Sybille Ehrismann

... Vladimir Fedoseyev gelingt eine einfühlsame Deutung dieser Gratwanderung zwischen Illusion, Sentimentalität und realem Spott. Zwar weist Massenets Musik einige Plattitüden und etwas gar viel Süssliches wie allzu dominante Harfenklänge auf, doch es gibt auch echt erschütternde Momente. Einer gehört Vesselina Kasarova als Dulcinée, deren ambivalentes Wesen als vermeintlich fröhliche, glanzvolle Kurtisane plötzlich einbricht. Ihre Arie im vierten Akt, in welcher sie dem erfolgreich zurückkehrenden und um ihre Hand bittenden Don Quichotte ihre echte Bewunderung ausdrückt, um ihm gleichzeitig eine Absage und damit den Todesstoss zu erteilen, singt sie mit betörender Eindringlichkeit und gefühlvoller Echtheit. Dazu die zarten Orchesterfarben, von Fedoseyev mit subtiler Zurückhaltung zum Leuchten gebracht - es stockt einem der Atem. ...

© Badische Zeitung, 3. Juni 2003, Seite 25, Heinz. W. Koch

... Vesselina Kasarova, die ihren Weltruhm in Zürich begründete, ist „la belle Dulcinée", zu der das unansehnliche Bauernmädchen des Cervantes bei Massenets Stofflieferant Jacques Le Lorrain wurde: Aus der von Quichotte lediglich erträumten Schönheit wurde eine in der Tat überaus ansehnliche Kurtisane, die sich ob seines Heiratsantrags - angetrübten Gewissens - kringelt. Die Kasarova gurrt diese Schwester Carmens wie die Berganza in ihren besten Tagen. ...

© Basler Zeitung, 3. Juni 2003, Seite 39, Sigfried Schibli

... und vor allem Kasarova eine unerhört differenzierte Dulcinea. Weit davon entfernt, die Rolle auf eine einzige Dimension zu reduzieren, breitet sie ein weites Ausdrucksspektrum vor dem Publikum aus, ist bald die in der Tiefe gurrende Verführerin, bald die schnöde Hochmütige. Sie spielt die Rolle der «Schwester Carmens» perfekt. Ihr stehen alle erdenklichen stimmlichen Mittel zu Gebote, die der Komponist in diese Figur gelegt hat. ...

© Der Bund, 3. Juni 2003, Seite 31, Hanspeter Renggli

... Massenet hat in seiner letzten Oper eine vielschichtige Musik geschrieben, die in die Klangsinnlichkeit des Fin de siècle ebenso alte Töne wie Chansons aus dem Operettengenre mischt. Vesselina Kasarova als Dulcinée hat diese musikalischen Ausdrucksweisen auch stimmlich zu bewältigen, und sie tut dies mit ihrem dunklen Timbre herausragend. So erscheinen die leicht dahingeworfenen Chansons der Koketten ebenso glaubhaft wie das klagende Arioso der sichtlich vom Pathos ihres Verehrers Berührten. ...

© Der Landbote, 3. Juni 2003, Seite 18, Herbert Büttiker

... Ein vokales Feuerwerk zündet Vesselina Kasarova als Dulcinée gleich mit ihrem ersten Auftritt. Musikalisch gibt es ein wenig die Tendenz zum Extremen, zu gar abgedunkelten Tiefen und zu Pianopassagen, die sich zu verlieren drohen, aber das bedeutet wenig. Noch bevor der Chevalier de la Longue Figure auftritt, ist sie glänzend präsent, die noble Dame de la Belle Figure. So hat sie Massenet gewollt: die Frau, nicht in der Einbildung des halluzinierenden Ritters, sondern in ihrer verführerischen Pracht und den melancholischen Schatten, die diese wirft. Das musikalische Ambiente Spaniens Carmen gab dafür Koloratur und Melismatik vor: eine sängerische Bravour, die Vesselina Kasarova mit ihrem beweglichen und klangschönen Mezzosopran zum Funkeln bringt und die sie auch temperamentvoll in ihre Glieder fahren lässt. Ihre prekäre Seelenlage wird aber nicht minder deutlich, und wie sie die Zerrissenheit zwischen Spott und Schmerz zum Ausdruck bringt, mit der Dulcinée Don Quichottes lächerlichen Heiratsantrag zurückweist, trägt dann bei zur grossenartigen Wirkung der Peripetie dieser Oper. ...

© Südkurier, 3. Juni 2003, Seite 10, Torbjörn Bergflödt

... Die „belle Dulcinée" durchlief bei Vesselina Kasarova, mit feinzeichnendem Mezzo singend, einen Entwicklungsweg von der Lebedame mit Carmen-Einschlag hin zu einem Wesen, in das Strahlen von Don Quichottes Würde und Menschenliebe fallen. ...

© Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2003, Seite 54, Marianne Zelger-Vogt

... fasziniert Vesselina Kasarovas Dulcinée-Début gerade deshalb, weil es die Mezzosopranistin auf dem Weg zu einem eigenen Rollenbild zeigt, einem Rollenbild, das ganz aus ihrem Stimmcharakter entwickelt ist. Kasarovas Dulcinée hat in Erscheinung und vokalem Volumen durchaus die Allüre der mondänen Kurtisane, aber was sie menschlich gross macht, ist die Empfindsamkeit, die sich in den subtilen Schattierungen ihres Timbres ausdrückt. Unvergesslich die Szene, da Dulcinée den Heiratsantrag Don Quichottes, der sich am Ziel seiner Träume glaubt, zurückweist. Da werden Lachen und Schmerz, Härte und Mitleid gleichsam in einem Atemzug Klang. Es schwingt in dieser «voix enjôleuse» so viel Melancholie und Sehnsucht, dass Dulcinée als Geistesverwandte, als weibliches Pendant Don Quichottes erscheint. ...

© Tages-Anzeiger, 3. Juni 2003, Seite 53, Michael Eidenbenz

... Und auch dem - anspruchsvollen - Ohr wird etliches geboten, wie es die Szenerie tut. Den vokal differenziertesten Auftritt hat als Dulcinée Vesselina Kasarova, die die glänzende Strahlkraft ihrer Stimme mit geradezu diseusenhafter Zurückhaltung als erotische Verlockung für ihre Verehrer präsentiert. Und selbst eine ihr von der Regie auferlegte flamencoartige Einlage meistert sie ohne grosse Peinlichkeit. ...

© Die Südostschweiz, 3. Juni 2003, Seite 17, Reinmar Wagner

... Vesselina Kasarova sang die Dulcinée, mit viel Souplesse, Koketterie und glockenreinen Koloraturen. Und sie machte deutlich: Die Carmen, die sie noch nie auf der Bühne gesungen hat, hat sie nicht nur in der Stimme, sondern auch in den Tanzbeinen, in ihrem Lächeln und in ihrem Charme. ...

© Blick, 3. Juni 2003, Seite 9, Roger Cahn

... Klangschön und bewegend - vor allem im zweiten Teil der Oper - Vesselina Kasarova als «la belle Dulcinée». ...