Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
Salzburg / Salzburger Festspiele / 1997

© Süddeutsche Zeitung, 28. August 1997, Seite 13, Christine Lemke-Matwey

... Kasarovas Sesto jedoch, eine bildschöne adonishafte Erscheinung (wozu Karl-Ernst Herrmanns noble, sanft stilisierte Kostüme einiges beitrugen), überstrahlte sie alle, lehrte sie und uns, was es bedeuten kann, Oper um ihrer selbst willen zu leben, zu lieben. Mit landläufigen Hosenrollen Klischees hatte dieses sich atemberaubend verästelnde Psychogramm indes nichts gemein: Nicht die kleinste Spur einer geckenhaft outrierten Männlichkeit kam da zum Vorschein, kein notdürftig komisches Kaschieren des weiblichen Geschlechts. Diese Frau ist so viel Mensch, dass sie auch Mann sein kann. Mit fahrigen, weit ausspreizenden Gesten etwa suchte sie sich ständig ihres/seines Ortes zu vergewissern in einer Welt, in der nichts ist, wie es scheint, in der das Vakuum, die Täuschung immer siegt: Vom ersten entsetzten "Oh Dio" an, als Vitellias unstillbarer Rachdurst ihn fordert, bis hin zu den hängenden Schultern, dem ohnmächtigen Niedersinken im Finale des zweiten Akts, als Titus denn endlich seine sprichwörtliche Milde über ihn ausgiesst. Zwischen diesen beiden Polen knüpfte Vesselina Kasarova einen Schicksalsfaden, der, zum Zerreissen gespannt, Sextus' letzte Orientierung, sein einziger Halt werden sollte. Ein Paradox, welches die Musik nun aufs wundersamste löste. Und so prangten ihre beiden grossen Arien wie glühende Karfunkelsteine über dem dramatischen Geschehen: Fluchtpunkte der rückhaltlosen Identifikation und des Trostes für den Saal. Fast schien es, als müsste Kasarova sich sängerisch immer wieder zur Räson bringen, zur nötigen Distanz ermahnen, als wiche sie vor der Ausdruckstiefe, den brodelnden Farben ihres überbordend reichen Mezzos erschrocken zurück. Die kopfige Tonlosigkeit, das trancehaft Plane etwa, mit dem sie den Beginn von "Parto, parto" ausstattete, ihr verzücktes Nachlauschen von Phrase zu Phrase, die Schieflage des Kopfes - so überprüfte sie die Echokraft, den Widerhall ihres Pianissimo-Flehens zuallererst vor sich selbst. Die zürnende Vitellia verkam hier ebenso zur szenischen Staffage wie später der moralisierende Kaiser. Was es mit seiner herrscherlichen Grossherzigkeit eigentlich auf sich habe, darüber gab Ursel und Karl-Ernst Herrmanns ansonsten recht gut erhaltene, unprätentiöse Inszenierung wenig Auskunft. Aber wen interessierte dies nach Kasarovas "Deh per questo istante solo" überhaupt noch? Mit wildem Blick hatte sie sich da den Mantel des geliebten Titus über die Schulter geworfen, war mit langen Schritten auf und ab gestürmt: Gevatterin Tod persönlich, im trunkenen Kampf um ein kleines wahres Wort, die verschmähte Hand vor der Brust zur Faust geballt. Ein letztes gefrierendes Grinsen noch - und unser eigenes Herz zersprang in tausend Stücke, zeihte alles Reden, alles Schreiben der fürchterlichsten Unwahrheit und Lüge.

© Oberösterreichische Nachrichten, 25. August 1997, Seite 9, Ilse Retzek

... Allen voran riss die grandiose Vesselina Kasarova als gefühlvoll leidender Sextus, der aus Liebe sogar zum Freundesmord bereit ist, noch auf offener Szene zu Begeisterungsstürmen hin. Ihre Verzweiflung rührte an die verborgensten Tiefen der menschlichen Seele.

© Wiener Zeitung, 26. August 1997, Seite 4, H.G. Pribil

... Die gesangliche und darstellerische Krone setzte freilich Vesselina Kasarova als Sesto dem Abend auf. Sie lebt, durchleidet diese Figur mit atemberaubender Intensität, macht selbst die Rezitative zu einem Erlebnis. Gesangliche Leichtigkeit und Natürlichkeit sind bei ihr ohnedies eine Selbstverständlichkeit. Vom herrlichem Timbre ganz zu schweigen. Keine Frage: Mit dieser Leistung ist die Kasarova in die Weltspitze der (Mozart-)Sängerinnen aufgerückt. Bei ihr gilt das "Herzenstöne statt Notenköpfe" wirklich vorbehaltlos. Das Publikum reagierte auf diese Premiere mit enthusiastischem Jubel und feierte vor allem die Kasarova und Gustav Kuhn. ...

© tz, Münchner Tageszeitung, 25. August 1997, Seite 14, J. Rubner

... Vesselina Kasarova glänzt als alle überstrahlender Sesto. Grossartig ihre Einheit von Koloraturen und Körperbewegung, ihre Zwischentöne: Die "Mille affetti" ("Tausend Leidenschaften kämpfen in mir") nimmt man ihr rückhaltlos ab. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
München / Bayerische Staatsoper / Mai 1999

© Süddeutsche Zeitung, 31. Mai 1999, Seite 15, Christine Lemke-Matwey

... Und noch eines blieb, nachdem das Kapitol pittoresk gelodert hatte und der Trauermarsch zum Pausenschluss über leer gefegter Nationaltheaterbühne gleich die ganze Oper zu Grabe trug: Vesselina Kasarovas Sesto. Eine Fackel in schwerer schwarzer Toga. Eine Lichtgestalt, deren Aura jedes Medium überwindet. Und eine Stimme, ein Seelentimbre, das es der Welt so leicht macht wie schwer, das letzte Liebespfand in Sachen Musiktheater aus der Hand zu geben.

© tz, Münchner Tageszeitung, 31. Mai 1999, Seite 12, Beate Kayser

... Sesto, die Konfliktfigur des "Titus" - man schmilzt dahin vor der Wärme, der Gefühlsunmittelbarkeit, dem Bad im strömenden Mezzo der Vesselina Kasarova. ... Das Publikum überschüttete die Sänger, zuerst die Kasarova, mit Beifall, ...

© AZ, Münchner Abendzeitung, 31. Mai 1999, Seite 5, Roland Spiegel

... Dazu wird wunderbar gesungen. Vesselina Kasarova (Sesto) mit ihrem an Weichheit und Eleganz nicht zu überbietendem Mezzosopran ist der gefeierte Star der Aufführung, ...

© Neue Zürcher Zeitung, 31. Mai 1999, Seite 27, Marianne Zelger-Vogt

... Den Brennpunkt der Aufführung aber bildet Vesselina Kasarova in der Rolle des Sesto, der als Verehrer Vitellias, Freund Titos und Annios und Bruder Servilias mit allen Figuren verbunden und dem Widerstreit ihrer und seiner Gefühle ausgesetzt ist. Mit einer Beredtheit ohnegleichen gibt Vesselina Kasarova dem Schweigen, Zögern und Zweifeln Sestos Ausdruck, sein Inneres buchstäblich nach aussen kehrend. Und der an Expressivität, Wärme, Nuancierungskunst und Farbenvielfalt immer noch reicher werdenden Stimme steht die Intensität der Mimik nicht nach. Zumindest für Kasarova und für Langridge erweist sich das Regiekonzept der sprechenden Anlitze als fruchtbar.

© Stuttgarter Zeitung, 31. Mai 1999, Seite 11, Horst Koegler

... Unbestrittener Star der Münchner Vorstellung ist Vesselina Kasarova als Sesto. Ungemein anrührend, wie sie aus lauter Gutmütigkeit in eine Intrige verstrickt wird, die sie bis an den Rand des Todes treibt - eine Mezzosopranistin, deren Gesang direkt aus dem Herzen perlt. ...

© Münchner Merkur, 31. Mai 1999, Markus Thiel

... Dabei standen Duncan wirklich erstklassige Sänger zur Verfügung, an der Spitze Vesselina Kasarova als Sesto. Eine wunderbare Tragödin, eine Sängerin von grosser Suggestivkraft, immer ungekünstelt, wahrhaftig. Singen ist bei der Bulgarin echter Ausdruck, losgelöst von der Konzentration auf Technik, unterstützt vom Farbenreichtum ihres Mezzos. Wenn die Kasarova Sestos zweite Arie durchlebt, glaubhaft empfindet, dies auf eine so ergreifende Weise, dann ist in diesen knapp acht Minuten der ganze Video-Plunder vergessen. ...

© Opernglas, Juli/August 1999, Seite 12, N. Eckert

... Der Publikumsliebling hiess Vesselina Kasarova, die in der Rolle des Sesto mit ihrem dunklen, warmtimbrierten und vollklingenden Mezzosopran perfekten Wohlklang verströmte. Ihr gelangen zarteste Piani, glutvolle Sentiments und expressive Verve gleichermassen. Ihre Arien bildeten umjubelte belcantistische Höhepunkte. Dabei ist Vesselina Kasarova keine vokale Selbstdarstellerin. Oper ist für sie vor allem auch Ensemblekunst, was sie in den Duetten mit Vitellia oder Annio eindringlich demonstriert.

© orpheus, August + September 1999, Matthias Exner

... Allen voran ist natürlich der Sesto von Vesselina Kasarova zu nennen, die seit ihrem unvergessenen Salzburger Rollendebut wohl noch weiter in die Seelentiefe der Figur eingedrungen ist. Ohne erneut auf die Schönheit der Stimme und ihre unmanierierte technische Vollkommenheit einzugehen, soll hier allein von der Beherrschung des rhetorischen Gestus in der stimmlichen Gestaltung die Rede sein, die einer Rolle wie dieser unbedingte Wahrhaftigkeit einzuhauchen vermag.

© Opernwelt, Juli 1999, Seite 41 - 42, Bernd Feuchtner

Endlich können sie ihren Star so gross sehen, wie in keinem Opernglas: Auf dem alles beherrschenden Bildschirm erscheint der Kopf von Vesselina Kasarova in der Arie des Sesto, der seinem geliebten Biest, der rachsüchtigen Vitellia, versichert, er werde ihr alle Wünsche erfüllen und sogar seinen besten Freund, den Kaiser Titus, nicht nur verraten, sondern sogar töten. Sie singt das, als würden alle Feuer der Hölle sie durchglühen. Die Stimme sprüht Funken, nein, Lava scheint zu fliessen und schwarze Asche die Luft zu verdunkeln, wie beim Ausbruch des Vesuv, der just zu jener Zeit geschah, als Titus sein Amt antritt. Das Publikum im Nationaltheater ist elektrisiert. Die Spannung entlädt sich in lang anhaltendem Beifall. ... Der Deutlichkeit des Dramas dient die Inszenierung nicht unbedingt, das hätten Obertitel wesentlich effektiver besorgt, aber sie sorgt für nachdrückliche Verstörung. Nicht unbedingt für besseres Hinhören. Das Visuelle, das heute sowieso dominiert, frisst sich in die Hirne, die Augen starren auf die Leinwand und lassen alles andere ganz klein scheinen. Den Versuch aber war es wert, auch wenn er gescheitert ist. Wenigstens der Star des Abends ist dort oben ganz gross. Nicht nur dort droben. Das grösste Erlebnis hat der, der Vesselina Kasarova in dem schmalen Streifen dort unten beobachtet, ihr Wüten, ihr Zweifeln, ihre Angst. Dann hört er auch die Wahrhaftigkeit in dieser wunderbaren Stimme. Die offiziellen Behauptungen dort droben stören ihn nicht.


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
München / Münchner Opernfestspiele / 1999

© tz, Münchner Tageszeitung, 20. Juli 1999, Seite 13, Matthias Bieber

Für sie soll's rote Rosen regnen - und es regnete. Nach ihrem phantastischen Auftritt in Mozarts "Titus" als Sesto bekam Vesselina Kasarova einen rotfarbigen Blütenregen (wie vorher alle in Martin Duncans Inszenierung). Und einen Blumenstrauss dazu. Die Kasarova hatte Geburtstag! Ein kleines Geschenk für sie - sie ein grosses Geschenk für die Festspiel-Besucher im Nationaltheater. Kasarova sang mit so selbstverständlichem, intensivem Ausdruck und so makellos, dass man allein schon deshalb in die Oper muss ... Glück in allen Registern und Lautstärken. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
London / Royal Opera House Covent Garden / 2000

© The Guardian, 24. Januar 2000, Seite 19, Tim Ashley

... Sesto's psychological disintegration from nobility via derangement to self-lacerating guilt is astonishingly handled by Vesselina Kasarova. She is in fabulous voice, her every note and gesture etching itself indelibly on the memory. This performance alone makes the evening worthwile. ...

© Evening Standard, 24. Januar 2000, Seite 63, Tom Sutcliffe

At last, the new Royal Opera has a top quality product. Its cast for Mozart's coronation opera is fabulous, mostly new to London, and capped by Vesselina Kasarova's Sesto ripping off a mind blowing chunck of high-speed coloratura in her final appeal to Tito. ... Kasarova's Sesto is the dominating alert presence, as she spins round in her black or white trouser suits and greatcoats, stretches about her in anxiety, or momentarily shares some wicked understanding with the audience. ...

© Financial Times, 25. Januar 2000, Seite 20, Richard Fairman

Above all, however, shone Vesselina Kasarova's blazing Sesto. This still-young Bulgarian mezzo has gone from being a highly proficient vocal technicien to an all-round performer of considerable star appeal. Barely a line of the music, or an expression or gesture, passes without being charged with intensity. I have seen no other singer make half as much of the role as she does. ...

© Opera, April 2000, Seite 478 - 480, Andrew Clark

... Vesselina Kasarova's towering despatch of Sesto's great aria was everything one could wish for: pure but expressive, sincere and invisibly crafted. The voice, powerful but firmly under control, continues to add colourful timbres; the musicianship is impeccable. Kasarova deserves her current premier rating because she so palpably serves her art. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
München / Münchner Opernfestspiele / 2002

© Süddeutsche Zeitung, 20. Juli 2002, Egbert Tholl

Opernfestspiele: „La clemenza di Tito"

Mut zur Grösse

Auch beim wiederholten Wiedersehen: Martin Duncans Inszenierung von Mozarts sperriger, später Seria „La clemenza di Tito" ist in ihrer doppelbödigen, doppelmedialen Reflexionsleistung der geistig kühnste Entwurf, den man sich bei einer Inszenierung fürs Repertoire vorstellen kann. Das merkt man auch am vereinzelten Murren des Festspielpublikums im Nationaltheater, welches hingegen dankbar die Sänger und den Dirigenten Ivor Bolton bejubelt.

... Von diesen steht Vesselina Kasarova als (nicht nur) derzeit bestmöglicher Sesto über den Dingen - und erhält zum Applaus ein süsses Geburtstagsständchen der Kollegen. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
London / Royal Opera House Covent Garden / September 2002

© Opera, November 2002, Seite 1382, Richard Fairman

... Although more subdued than two years earlier, Vesselina Kasarova remained the central force of the cast. Her Sesto pushed the role to its extremes, releasing pent-up energy in the high drama of the first-act finale and plumbing a deep inner intensity in her two arias. She was fortunate to have Davis as conductor, giving her all the time she needed. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
Amsterdam / Het Muziektheater / Dezember 2002

© Opera, März 2003, Seite 326 - 327, Michael Davidson

... Vesselina Kasarova has already made the role of Sesto something of a trademark, but there was no doubt that this was an achievement of incredible commitment and accomplishment. She and Haenchen took risks with tempo and dynamics which never sounded un-stylistic, but were immensely stirring. ...

© Opernglas, Februar 2003, Seite 9, Brigitte Kempen

Vesselina Kasarova - Paraderolle Sesto

... Nicht nur Tito wurde von Sesto aus der Fassung gebracht - auch das Publikum. Die beseelte Natürlichkeit, mit der Vesselina Kasarova dem zwischen Liebe zu Vitellia und Treue zu Tito hin- und hergerissenen Attentäter Leben einhauchte, liess die Zeit stillstehen. Ihr Gesang stellte ein rundes, inniges Kunstwerk dar, ohne eine Spur von steriler Künstlichkeit. Geheimnis, Schönheit und Kraft von Musik fand bei Vesselina Kasarovas Sesto ihre Inkarnation - was für ein Erlebnis! ... Das Publikum der ersten Vorstellung nach der Premiere feierte neben einer differenzierenden, allgemeinen Zustimmung besonders das Orchester und Vesselina Kasarova.

© Opernwelt, Februar 2003, Seite 9, Willem Bruls

... Vesselina Kasarova sang als Sesto eine ihrer Glanzrollen. Atemberaubend war ihre Rondo-Arie „Deh, per questo istante solo", die sie mit einer ungeheuren Geschmeidigkeit gestaltete. ...

© Dresdner Neueste Nachrichten, 5. Dezember 2002, Joachim Lange

... Und wenn dann noch Vesselina Kasarova den treulos treuen Freund des Kaisers zu einem Schmuckstück geschliffen leuchtenden Gesangs mit Koloraturbrillanz und einer Pianokultur vom Feinsten macht, dann müsste „Tito" eigentlich sowieso Sesto heissen! ...

© Die Welt, 4. Dezember 2002, Manuel Brug

... Zwischen bestelltem Volkesjubel hallt freilich der dieses Mal sogar gänzlich unmanierierte Tränenton Vesselina Kasarovas nach. Ihr silbrig zarter, hauchiger Sextus, unausweichlich in abhängiger Schwäche verfangen, zum Attentäter, dann zum reuevollen, schliesslich begnadigten Freund mutierend, ist neuerlich die stärkste, direkteste, berührendste Ausformung Mozartscher Seelengrösse. ...

© Süddeutsche Zeitung, 4. Dezember 2002, Seite 15, Svenja Klaucke

... Zentrum ist die atemberaubende Vesselina Kasarova als verführter junger Sesto sowie das ins Bühnenzentrum gerückte, auf grosse Orchesterstärke aufgestockte Nederlands Kamerorkest, brillant dirigiert von Hartmut Haenchen, der dem Mozart-Trojahn-„Titus" den leuchtenden Zukunftshorizont schenkt.


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
Salzburg / Salzburger Festspiele / 2003

© Opernglas, Oktober 2003, Seite 8, Florian Heurich

... Gesanglich konnte man vollauf zufrieden sein. Wohl wie keine andere vermag Vesselina Kasarova mit ihrem farbenreichen Mezzo jede Seelenregung des Sextus auszudrücken. Sie singt die Partie mit schier unglaublichen stimmlichen Nuancen, gibt jeder Note, jeder Phrase eine eigene Couleur. Ihre Gestaltungsmöglichkeiten reichen dabei vom zartesten Flüsterton und beseeltesten Legatogesang, die vor allem in den langsamen Teilen ihrer beiden Arien die Musik fast zu einem Stillstand kommen lassen, der atemlos staunen macht, bis hin zum brillant auftrumpfenden, koloraturgewandten Gestus. ...

© Opernwelt, September/Oktober 2003, Seite 15, Gerhard Rohde

... Um Schade versammelt sich ein hervorragendes Ensemble, das sich mit hinreissendem Engagement auf die Inszenierung Martin Kušejs einlässt. Vesselina Kasarovas Sesto bietet eine eindringliche Studie der Zerrissenheit, des inneren Zwiespalts: der Freund des Kaisers, der aus Liebe sich zum Mord am Kaiser verleiten lässt - wie die Kasarova die komplexen Seelenlagen gestisch, mimisch und in feinsten vokalen Schattierungen glaubhaft darstellt, verdient Bewunderung. ...

© Süddeutsche Zeitung, 8. August 2003, Joachim Kaiser

... Harnoncourt entging ihr nicht: In jeder Fermate, jeder langsam vertröpfelnden Cembalo-Schlusskadenz brach ein grosses Herz. Trotzdem war es manchmal wunderbar, die besten Mozart-Sänger der Erde keinen Ton konventionell nebenher, sondern einen jeden so edel dargebracht zu hören. Da Kusej die für den Sesto so unselige Beziehung zur dominanten Vitellia als heftig-sexuelle Bindung inszenierte, verlor die Rolle dieses so abhängig Liebenden alles Schlappschwänzige, Weinerliche, erfolglos Schwärmerische. Mit welcher Zartheit Vesselina Kasarova Mozarts melodische Wunder bot, wie ernsthaft sie sich der Raserei ihrer Partnerin unterwarf, wie spannungsvoll sie mit dem Kaiser Titus mehr flüsterte als sang, wie brillant sie auch aufzutrumpfen vermochte: der Kasarova Hosenrolle des Sextus war Königin des Abends. ...

© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. August 2003, Gerhard R. Koch

... Vokal wird dabei vieles zur Introversions-Gratwanderung, mit oft beglückendem Ergebnis. Vesselina Kasarovas Sextus ist ein Ereignis an piano- und legato-Kultur, der Fähigkeit, seelische Zerreissprozesse ohne Outrage, ganz auf die sublime Widerspiegelung ambivalenter Emotionen in sehrenden Klang umzusetzen. ...

© Die Presse, 8. August 2003, Wilhelm Sinkovicz

... Wir erleben ihn freilich auch im Gesang des Sextus selbst, denn Vesselina Kasarova singt ihn mit einer Inbrunst und einem Differenzierungsvermögen, das in Mozarts Musik auf sensationelle Weise allen Tiefgang, alle Doppelbödigkeit aufspürt und unmittelbar fühlbar werden lässt. Was die Kasarova ihrem wunderbar erblühten Mezzo an Klang-Valeurs entlockt, wie sie bei aller punktgenauen Umsetzung jedes Wortsinns grosse, ja schier endlose melodische Bögen formt, das gehört zu den vokalen Meisterleistungen der Festspielgeschichte. ... Wie auch immer, den Sängern gelang diesmal, gut konzertiert von Kusej und Harnoncourt, die Ehrenrettung eines viel gescholtenen Werks mit festspielreifem Fazit: Der Jubel für die vokale Meisterschaft wandelt sich in höchste Bewunderung für Mozarts Genius.

© Salzburger Nachrichten, 8. August 2003, Karl Harb

Das Wunder des Sesto: Vesselina Kasarova

Schiere Wunder ereignen sich, wenn Vesselina Kasarova Zwiespalt und Zerrissenheit des Sesto ausdrückt: Verrust, verwundet steht da nicht nur ein äusserlich gezeichneter, sondern ein im Innersten zerstörter Mensch vor uns, mit einer Palette des sängerischen und darstellerischen Ausdrucksvermögens, dass es einem selber das Herz zerreissen möchte. Darf ich sagen, dass ich Tränen in den Augen hatte beim Rondo „Deh per questo istante solo"? Diese Musik muss man „erlebt" haben. ...

© Tages-Anzeiger, 9. August 2003, Joachim Lange

... Intrigiert und gelitten wird auf allen Ebenen des imponierenden Bühnenbaus - gesungen und musiziert freilich wird durchwegs auf der Beletage! Getragen wird die Aufführung von Harnoncourts nobel-gelassenem Mozartleuchten, das man wohl getrost als Gegenposition zur Sicht von forcierenden Pultaufmischern betrachten darf. Auch wenn sich Harnoncourt Zeit nimmt, lässt die suggestive Spannung nicht nach. Und er trägt seine Sänger auf Händen. Michael Schades zerrissener Tito, Dorothea Röschmanns brillante Vitellia, Elina Garancas jugendfrischer Annio oder Barbara Bonneys sinnliche Servilia verbinden sich zu einem in jeder Rolle festspielwürdigen Ensemble. In seiner Mitte freilich überfunkelt Vesselina Kasarovas Sesto sie alle noch etwas. Mit einer technischen Brillanz, Stilsicherheit und betörenden Sinnlichkeit, die heutzutage wohl nicht zu übertreffen ist.

© Die Welt, 8. August 2003, Manuel Brug

... Vor allem wie Vesselina Kasarova unter dem Wirbelsturm widerstreitender Gefühle zusammenbricht. Wie der Kampf zwischen Freundespflicht und Liebesneigung ihren Sesto in dieser Baustelle der Seele zum Terroristen der Gefühle werden lässt, der in klagend verlorenen Tönen von einer Qual kündet, aus der nicht einmal Peter Schmidls samtige Bassettklarinette helfen kann. ... Drei durch Harnoncourt und Kusej herausgeforderte, über sich hinauswachsende Sänger, sind das Singuläre dieser Premiere. Michael Schade, vom routinierten Tamino in den gruseligsten Cäsarenwahn gekitzelt und getrieben. Die glückhaft nach dramatischen Partien strebende und sie ausfüllende Dorothea Röschmann. Und Vesselina Kasarova in ihrer Referenzrolle, diese weiter verfeinernd, zartesten Schattierungen nachhorchend, sie neu auskolorierend. Ein Trio zum Träumen. Das soll dann Salzburg erst einmal jemand nachmachen.

© Stuttgarter Zeitung, 8. August 2003, Götz Thieme

... Was wäre die Aufführung aber ohne die Sänger? Ein Ensemble, wie es sich selten einheitlich fügt, singt und spielt, dass jeder Ton ohne falschen Sinn und kein Wort ungefühlt erklingt. Vesselina Kasarova in der Kastratenrolle des Sextus ist so viel Mann, wie sie singend Frau sein muss, um mit hoch fliegendem Mezzosopran ungehörte leise Töne und wilde Verzweiflungskoloraturen zu formen. Salzburg lag ihr zu Füssen, ...

© Hannoversche Allgemeine Zeitung, 8. August 2003, Rainer Wagner

... Im Mittelpunkt aber steht Vesselina Kasarova als Sesto - und das nicht nur, weil dieser Sextus die zentrale Figur ist, in der sich viele Begehren spiegeln. Vor elf Jahren, bei der vorangegangenen „Titus"-Produktion, war sie noch ein überzeugender Annio gewesen, mittlerweile hat sie sich als Sesto die Bühnen erobert - und etwa in Amsterdam auch die von Manfred Trojahn neu komponierten Rezitative gesungen. In Salzburg gibt es die traditionellen, höchstwahrscheinlich vom Mozart-Schüler Süssmayr formelhaft gebastelten Rezitative. Doch selbst denen entlockt Nikolaus Harnoncourt mit den glänzend disponierten Wiener Philharmonikern neue Seiten. Wie sich Harnoncourt und Kasarova musikalisch die Bälle zuwerfen, das ist bewundernswert. Den Dialog zwischen Bassetthorn im Orchester und hat man selten so aufregend gehört. Halten zu Gnaden, Euer Majestät Titus, das war doch der grosse Abend der Kasarova. Und die erste rundum gelungene Opernpremiere in diesem Salzburger Sommer.

© Südwest Presse, 8. August 2003, Jürgen Kanold

Grandioser Sesto.

Auch der Sesto, der zerrieben wird zwischen Vitellia, der er sexuell hörig ist, und von Titus, seinem bewunderten Freund, ist ja längst kein Opera-seria-Abziehbild mehr. Vesselina Kasarova sang diesen Menschen mit einem unvergleichlichen Mezzo: feinstes Piano; abgründige, aber doch geschmeidige Tiefe; reine, durchschlagende Höhe. Ein Ereignis, wie die Bulgarin in den grossen Arien einen Dialog führte mit Harnoncourts Philharmonikern. ...

© Die Zeit, 14. August 2003, Wolfram Goertz

... Vesselina Kasarova flammt als Sextus die schönsten, expressivsten Koloraturen, die in dieser Partie denkbar sind. ...

© News, 13. August 2003, Heinz Sichrovsky

... Vesselina Kasarova als Sextus: Der Clou des Abends, aufregend perfekt. ...

© Südkurier, 11. August 2003, Heidi Lehmann

... Eigentlich müsste die Oper „Sesto" heissen, denn diese Hosenrolle eines Attentäters aus höriger Liebe steht im Mittelpunkt. Vesselina Kasarova rückte die Partie über die Wirkung einer Opera seria weit hinaus in die Sphäre echter Charaktergestaltung: Grazil, knabenhaft, eine Mozartstimme von anrührendem Reiz. ...

© Neue Zürcher Zeitung, 8. August 2003, Peter Hagmann

... Die Kulmination diesbezüglich bietet jedoch Vesselina Kasarova in der Rolle des Sextus, der so grausam zwischen seinem Freund Titus und der ihn erotisch anziehenden Vitellia hin und her gerissen ist. Schon früh am Abend zeigt die Sängerin, dass sie die (nicht von Mozart stammenden) Rezitative mächtig aufzuladen vermag; und später bringt sie einen lange verzögerten Triller ein, wie er nur ganz selten zu hören ist. Schliesslich ihr letzter Auftritt im Moment der Katastrophe: eine veritable Wahnsinnsarie an den Grenzen der Existenz. ...

© Tiroler Tages-Zeitung, 8. August 2003, Christoph Lindenbauer / APA

... Den grössten Applaus zog Vesselina Kasarova in der Hosenrolle des Sesto auf sich, weil sie die zerrissene Innigkeit dieses liebenden Terroristen mit ihrem blitzsauberen Sopran mühelos bis in die letzte Reihe transportierte. ...

© Westfälischer Anzeiger, 8. August 2003, Michael-Georg Müller

... Noch weiter in den Gefühlsschwankungen geht Vesselina Kasarova als ewig schwankender Sesto. Die gebürtige Bulgarin wurde mit den meisten Ovationen gefeiert. Nicht nur weil ihr betörend dunkler Mezzosopran in allen Registern, auch in den turboschnellen Koloraturen, sicher strömt. Das kennt man von den CDs des Weltstars. Sie ist eine charismatische Frau, der man beide Seiten - Täter und Opfer - abnimmt. ...

© Esslinger Zeitung, 20. August 2003, Dietholf Zerweck

... Vesselina Kasarovas Darstellung dieser in sich zerrissenen Figur ist atemberaubend. Sie charakterisiert nicht nur abrupte Stimmungswechsel mit einem schier unerschöpflichen Reichtum an Stimmregistern, sondern spielt auch Sestos Narzissmus konsequent aus. ...

© Neues Volksblatt, 8. August 2003, Christoph Lindenbauer

... Aber die Balance zwischen Orchestergraben, der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor und den Solisten war exemplarisch perfekt - eine Chance für die Sänger, die diese auch nützten und so dieser Premiere doch noch die Aura des Besonderen verliehen. Den grössten Applaus zog Vesselina Kasarova als Sesto auf sich, die - auch darstellerisch hervorragend - die zerrissene Innigkeit dieses liebenden Terroristen mühelos bis in die letzte Reihe transportierte, scheinbar ohne ihre stimmlichen Reserven auch nur anzurühren. ...

© APA, 7. August 2003, Christoph Lindenbauer

... Den grössten Applaus zog Vesselina Kasarova in der Hosenrolle des Sesto auf sich, weil sie nicht nur darstellerisch hervorragend wirkte, sondern die zerrissene Innigkeit dieses liebenden Terroristen mit ihrem blitzsauberen Sopran mühelos bis in die letzte Reihe transportierte, scheinbar ohne ihre stimmlichen Reserven auch nur anzurühren. ...

© Salzburger Volkszeitung, 8. August 2003, Ernst P. Strobl

... Zum beglückenden, überwältigenden Eindruck geriet das Sänger-Ensemble. Makellos. Wahrhaft grandios ist Vesselina Kasarova als höriger, von Vitellia zum Attentat auf seinen Freund Titus angestifteter Sesto: So erschütternd in der Darstellung des reuigen Menschleins, dass einem die Tränen hochstiegen. ...

© Kleine Zeitung, 8. August 2003, Ernst Naredi-Rainer

... Das mit sehr lyrischen Stimmen besetzte Ensemble dominiert Vesselina Kasarova, die mit unüberbietbarem Nuancenreichtum den Gefühlskonflikt des Sextus zwischen Liebe und Freundschaft nachzeichnet. ...

© Frankfurter Rundschau, 8. August 2003, Hans-Klaus Jungheinrich

... Das Sängerdarstellerteam wirkte durchweg überzeugend. Hervorragend Vesselina Kasarova als Sesto: überlegen in jeder Vortragsnuance, ausdrucksvoll und klangschön in ihren verzweigten lyrischen Aeusserungen. ...

© El Pais, 8. August 2003, J. A. Vela del Campo

... Los cantantes responden al reto musical y teatral con unas prestaciones soberbias. Todos, sin exceptión. En primer lugar ese animal operístico de pura cepa que es Vesselina Kasarova, en el personaje de Sesto, ...

© WAZ, 8. August 2003, Egon Bezold

... Die Erotik kommt nicht zu kurz, vor allem wenn es gilt, durch die intrigierende Vitellia den Sesto - die mit betörendem Stimmtimbre mitreissend gestaltende Vesselina Kasarova - für die mörderischen Pläne zu gewinnen. ...

© Stuttgarter Nachrichten, 8. August 2003, Frieder Reininghaus

... Ihr Sesto aber, schwankend zwischen der Zuneigung zu ihr und der Liebe zur Nummer eins, wird von Vesselina Kasarova zur wahrhaft tragischen Figur erhoben. ...

© Main Echo, 8. August 2003, Hannes S. Macher

... Zu kleinen Sensationen gerieten freilich die in hinreissendem Schönklang geradezu schwelgenden Vesselina Kasarova (Sesto) und die am Sängerinnenhimmel wie ein Komet aufsteigende, in Riga geborene Elina Garanca mit ihrem betörenden Mezzosopran als Annio. ...

© Augsburger Allgemeine, 8. August 2003, Rüdiger Heinze

... Also die Sänger. Ein Fest für die Liebhaber schöner, warmer, intensiver, seelisch erfüllter Frauenstimmen garantieren Vesselina Kasarova (als singschauspielerisch gefühlsspaltender Sesto), ...

© Standard, 8. August 2003, Peter Cossé

... Packend in seinem brüchigen Kraftfeld Vesselina Kasarova als Sesto: eine zur Persönlichkeit gereifte, blitzende, schmeichelnde, blutende Stimme, die wie ein Energiezentrum die mit ihr verstrickten Akteure zu fordern, zu inspirieren scheint. ...

© Oberösterreichische Nachrichten, 8. August 2003, Reinhold Tauber

... Doch ein Triumph der schönen Stimmen. Ein Abend der Damen zumal. ... Und dazu der zwischen Liebes-Abhängigkeit samt Mordauftrags-Konsequenz und Freundschaft zum Kaiser zerrissene Sesto Vesselina Kasarovas - mit traumhafter Sicherheit, Kraft und Geschmeidigkeit. ...

© Münchner Merkur, 8. August 2003, Markus Thiel

... Vesselina Kasarova darf in ihren sensationell gesungenen Arien die Musik belcantohaft auskosten, fast zum Stillstand kommen lassen - ein (berechtigtes) Verliebtsein in die eigene Stimme, das Sesto plötzlich zu Titus geistigem Bruder wandelt. Der Nuancen- und Farbreichtum ihres Mezzos, die unerschöpfliche Ausdruckspalette überwältigen ...

© Wiener Zeitung, 8./9. August 2003, H. G. Pribil

... Für diesen "Titus" steht ihm jedenfalls ein echtes Luxusensemble zur Verfügung. Michael Schade (Tito) in dieser Partie heute konkurrenzlos zu nennen, fällt nicht schwer, es fällt mir aber leider nichts Besseres dazu ein. Dass in Dorothea Röschmann (Vitellia), Barbara Bonney (Servilia) und Vesselina Kasarova (Sesto) kein Niveauunterschied besteht, versteht sich. Und auch Elena Garanca (Annio) und Luca Pisaroni (Publio) sind Namen, die man sich merken sollte. Das alles sind Sänger, die geboren scheinen, Mozart mit entwaffnender Selbstverständlichkeit auf Punkt und Beistrich zu singen. Und zwar mit einer Natürlichkeit, als hätten sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes getan. Als wäre es die einfachste Sache von der Welt. ...

© Kurier, 8. August 2003, Gert Korentschnig

... Idealbesetzung. Grandios unterstützt werden er und die bestens disponierten Wiener Philharmoniker von einem Ensemble, aus dem Vesselina Kasarova (Sesto) herausragt. Aber auch alle anderen Partien sind exemplarisch besetzt: ...

© Kronen Zeitung, 8. August 2003, Karlheinz Roschitz

... Vesselina Kasarova beschert als ihr Bruder Sesto, der in den Fängen der Vitellia zum Mörder wird, Kunstgesang von sehr manierierter Schönheit. ...

© Salzburger Nachrichten, 7. August 2003, Karl Harb

... Der musikalische Seelenspiegel öffnet sich mit selten so zu erlebender Intensität vor allem durch die Sänger Michael Schade (Tito), Dorothea Röschmann (Vitellia), Vesselina Kasarova (sensationell als Sesto), Barbara Bonney (Servilia), Elina Garanca (eine grosse Entdeckung als Annio) und Luca Pisaroni (Publio). ...

© Corriere della sera, 7. August 2003, Enrico Girardi

... Ancora una volta, però, il festival salisburghese dimostra di saper asemblare cast formidabili: Michael Schade è un Tito stratosferico e così il Sesto di Vesselina Kasarova, ...

© Tagesspiegel, 6. August 2003, Christine Lemke-Matwey

... Dass er auch anders kann, zeigen zwei oder drei Nummern im zweiten Akt, das Terzett von Sesto, Tito und Publio etwa und auch die zweite grosse Arie des Sesto. Plötzlich schmilzt die Wachsschicht, beginnt die Musik zu reden. Sie schöpft Atem, serviert Modulationen wie auf einem Silbertablett, hört sich selber zu, fragt, lacht, weint und erklärt Sinn und Unsinn von Koloraturen - als Wahnsinn, Verzückung, Rausch, als Sehnsuchtsgeste der Musik. Und natürlich gelingen Vesselina Kasarova beide Sesto-Arien grossartig. Welches stilistische Niveau diese Ausnahmesängerin hält, wie hinreissend sie phrasiert, welches Meer an Farben ihr satter, sinnlicher Mezzo kennt und was sie sich traut: Da laufen einem schon gewaltige Schauer über den Rücken. Dieser Sextus ist ein heillos Zerrissener, einer, der mit klaffendem Herzen durch die Welt rennt und seine Urteilsverkündung nur mehr am Boden liegend ertragen kann (was ein bestrickender Einfall ist), ohnmächtig vor Reue und Schmerz. Gegen die riesigen Distanzen der Felsenreitschule aber hat auch eine Kasarova zu kämpfen. Wahrscheinlich darf man so etwas im Grunde weder denken noch laut sagen, aber: Den Grad an Verselbständigung, den ihre Kunst inzwischen erreicht hat, dieses Gipfelmass an Ausdifferenzierung in nahezu allen Belangen des Ausdrucks, es entwickelt langsam auch etwas Bedrohliches. Hier läuft eine Sängerin buchstäblich heiss - befördert vom Dirigenten und von der Regie vor lauter Ehrfurcht noch nicht einmal angetastet in ihrem Potenzial. Ein bisschen Säbelrasseln für die erste Arie, erbarmungsvolles Bibbern und Trippeln für die zweite, das reicht nicht, um einen Menschen zu zeigen. ...

© News, Nr. 34, 21. August 2003, Seite 92, Heinz Sichrovsky / C. Augustin

Salzburger Festspiele 2003 - Die Schlussbilanz

Beste Sängerinnen

1. Vesselina Kasarova

Als Sextus in „La clemenza di Tito" bot die bulgarische Mezzosopranistin ein Weltereignis an Gestaltungskraft, Technik und Stimme.


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
Salzburg / Salzburger Festspiele / 2006

© Opernglas, Juli/August 2006, Seite 121 - 122, M. Wilks

... Im Sesto von Vesselina Kasarova steht Titus ein Gegenspieler auf der Bühne, wie er kaum besser besetzt sein könnte. Basierend auf einem ungewöhnlichen Farbreichtum, ergeben sich schier unendlich viele Ausdrucksvarianten. Obwohl Vesselina Kasarova so viel mit ihrer Stimme macht, hat man nie den Eindruck von Manierismus, sondern vielmehr von in Klang verwandelten Seelenzuständen. ...


Wolfgang Amadeus Mozart
LA CLEMENZA DI TITO - Sesto
Barcelona / Gran Teatre del Liceu / Oktober 2006

© Opernglas, November 2006, Seite 14 - 16, B. Kempen

... Die Sesto-Interpretation von Vesselina Kasarova hat bereits Legenden-Status - und diesem Anspruch wurde sie auch hier wieder gerecht. Der satte Klang ihres Mezzos mit fast männlich anmutenden Farben, die flexibel ausgeleuchtete Dynamikskala, die feinen Miniaturen und gross strömenden Emotionen - all das machte glücklich machtlos und liess spanungsreich geniessen. ...