Gioacchino Rossini
TANCREDI - Tancredi
Salzburg / Salzburger Festspiele / August 1992

© Salzburger Nachrichten, 24. August 1992, Seite 7, Hermann Schönegger

... Ein künftiger Star allerdings riss die Zuhörer zu Ovationen hin: Vesselina Kasarova, Mitglied der Wiener Oper und in Salzburg als Annio ("La clemenza di Tito") bereits eingeführt, verkörpert den idealen Stimmtyp für die heroische (männliche!) Gestalt des Tancredi und vor allem für die in der Rossini-Tradition verankerte Partie eines dramatischen Koloratur-Alt. Das pastos-dunkle, kräftige Brustregister wirkt schon ausreichend gefestigt für vehementen dramatischen Einsatz. Trotzdem sollte die junge Bulgarin derart extremen Belastungen noch nicht zu oft ausgesetzt werden, um ihr geschmeidig fliessendes, wohlgerundetes Organ weiter reifen zu lassen. Ihr technisches Können setzte sie für regelmässig perlende Koloraturläufe und für bewegte Dynamik ein; rückhaltlose Bereitschaft zu leidenschaftlichem Gefühlsausdruck sicherte dem in einer Liebesbeziehung hartnäckig irrenden Helden die Anteilnahme der Zuhörer. Sensationellen Effekt erzielte Vesselina Kasarova durch Strahlkraft und Sicherheit jedes noch so exponierten Gipfeltones, selbst wenn dieser ohne jede Vorbereitung quasi herausgeschleudert werden musste. ...

© Kurier, 24. August 1992, Seite 12, Werner Schuster

... Vesselina Kasarovas Stimme kommt butterweich und immer klar und deutlich intoniert. Kaum zu glauben, wie weit ihr Stimmumfang nach oben und nach unten reicht und in keiner Lage dünner wird. Wie scheinbar mühelos sie allen Anforderungen gerecht wird. Wie sie einen mit ihrem warmen Timbre bezaubert. Wie man bei ihr erst gar nicht nach Mängeln oder Fehlern sucht, weil man ahnt: es gibt keine. ...

© AZ, Münchner Abendzeitung, 24. August 1992, Seite 6, Roland Schmidt

... Vor allem Vesselina Kasarova begeisterte durch beseelten Ausdruck. Im ersten Akt noch etwas vorsichtig, zog sie nach der Pause alle Register ihrer facettenreichen Stimme, liess die Tiefen in verzweifeltem Stolz vibrieren, schaffte immer wieder furiose Spitzentöne. ...

© Krone, 24. August 1992, Seite 19, Karlheinz Roschitz

... Fanden sie in der jungen Vesselina Kasarova, die nun die Titelpartie singt, und in der neuen "Amenaide" Nelly Miricioiu zwei Sängerinnnen, die die enormen Ansprüche der Partien technisch höchst achtbar bewältigten: die Kasarova - am Anfang einer grossen Karriere - mit Kraft, reizvollem, dunklem Timbre, schön ausbalanciertem, "heldischem" Ausdruck und tadellos sitzenden Koloraturen; ...

© Die Presse, 24. August 1992, Seite 15, Edith Jachimowicz

... Dazu durfte man auch noch die hohe Schule des Belcanto erleben. Vesselina Kasarova übertraf sich als Tancredi selber, ihrer Prachtstimme, ausdrucksreich und wie am Schnürchen laufend, schienen unbegrenzte Möglichkeiten gegeben zu sein. ...


Gioacchino Rossini
TANCREDI - Tancredi
New York / Carnegie Hall / November 1997

© Opernglas, Februar 1998, Seite 22 - 23, Ralf Tiedemann

Diese konzertante Aufführung von Rossinis "Tancredi" stand ganz im Zeichen des New York Debüts von Vesselina Kasarova. Im Anschluss an ihren ersten Auftritt in den USA (als Idamante in Chicago) sollte ihr dieser Abend das ebenfalls kurz bevorstehende Met-Debüt vorbereiten. Leider musste sie diese Termine dann krankheitsbedingt absagen, so dass die New Yorker doch noch etwas warten müssen. Denn dass man nun den ersten Auftritt von Vesselina Kasarova an der Met sehnsüchtig erwarten wird, wurde an diesem Abend sehr schnell deutlich. ... kam die Bulgarin in schlichter Zurückhaltung auf die Bühne der Carnegie Hall und gestaltete die Titelpartie des "Tancredi" derart fulminant, dass das Publikum ihr am Ende zu Füssen lag. Ein triumphaler Erfolg für die junge Sängerin, die seit ihrem sensationellen Einspringen für Marylin Horne bei den Salzburger Festspielen gerade in dieser Partie immer wieder von sich reden macht. Sie hat ihren eigenen Zugang zu dieser Rolle gefunden und legt sie naturgemäss anders an als ihre grosse Vorgängerin Horne. Ihr Ansatz ist weniger der zupackende, dramatisch aufgeladene, den man insbesondere in der Auftrittsarie vermisst, sondern vielmehr der menschlich aufgeschlüsselte, emotional ansprechende, der im Verlauf der Oper immer mehr zum Zuge kommt. Die Ausdruckskraft der Kasarova erreicht ihren Höhepunkt im Delirium des Tancredi, was es geradezu als Sünde erscheinen lässt, dass man für dieses Konzert nicht die Ferrara-Fassung gewählt hat und somit dem Publikum Kasarovas grossartige Interpretation der Sterbeszene vorenthielt. Ihr grosses Plus gegenüber allen ihren derzeitigen Fachkollegen besteht ganz einfach in der wesentlich durchsetzungsfähigeren, in jeder Lage tragfähigen Stimme. Insbesondere zeichnet sich der sehr tief reichende Mezzo durch eine enorm durchschlagskräftige Höhe aus, die lediglich noch etwas mehr in den Gesamtklang eingebunden werden sollte. ...