Camille Saint-Saëns
SAMSON ET DALILA - Dalila
Berlin / Deutsche Oper Berlin / Mai 2011

© Berliner Zeitung / 17. Mai 2011 / Martin Wilkening

Das Aufblitzen des Bösen im Triumph

... Ebenso intelligent wie stimmschön entfaltet aber in jenem Klangraum Vesselina Kasarova ihre Dalila, sie spielt mit all den Nuancen zwischen hingegebenem Eintauchen in den Klang und dem emphatischen Hervortreten, trifft den Ton überschwänglicher Freude zu Beginn der Begegnung mit so überwältigender Leuchtkraft, dass allein darin im Kontrast zur Handlung der tragische Zwiespalt der trotzdem Liebenden erscheint. Zwar fehlt es ihr manchmal an Schärfe, aber im grausamen Triumph über Samson, dem sie das Geheimnis seiner Stärke entrissen hat, entwickelt sie eine fast unheimliche Präsenz.

Dass auf den Aktschluss ganz reflexhaft dann die Buhs herniederprasseln, hatte nichts mit der musikalischen Leistung zu tun. Altinoglu und das Orchester wurden mit Recht schon beim Wiederauftritt zum zweiten Akt heftig gefeiert, ebenso die Sänger am Schluss. Aber was das Publikum offensichtlich so provozierte, war das Aufblitzen des abgründig Bösen in Dalilas wütendem Triumph. Mit einer heftigen Geste fegt sie den unschuldig herumstehenden Knaben hinweg, der schon zuvor ein paar Mal beziehungslos durch die Szene sprang. Dass die wenigsten im Publikum verstanden haben dürften, dass es sich dabei um den für diese Inszenierung erfundenen gemeinsamen Sohn Samsons uns Dalilas handelte, machte die Empörung verständlicher, am Unverständnis des Publikums trifft dieses aber eigentlich keine Schuld. Denn die Regie, so einfallsarm wie gedankenreich, schafft es hier kaum, ihre Kopfgeburten in eine lebendige Bildersprache zu übertragen. ...

© Frankfurter Allgemeine Zeitung / 20. Mai 2011 / Jan Brachmann

... so hat doch Vesselina Kasarova als Dalila - etwas brüchig in der Mittellage, sensationell in der Tiefe, souverän in der Höhe - die ganze Melancholie dieser Partie erschlossen: In unendlich abgestuften Halbschattenräumen zwischen den Tönen bewies sie, dass die regelmässig gebauten Melodien des Komponisten Platz liessen für die grösste Individualisierung des Ausdrucks. ...

© Frankfurter Rundschau / 16. Mai 2011 / Jürgen Otten

... Wie man Leidenschaft klüger, einfühlsamer darstellt, zeigt Samsons Gegenspielerin Dalila: Vesselina Kasarova. Sie tönt ihren Mezzo ab, arbeitet statt mit Volumen mit Schattierungen, ausgeklügelten Phrasierungen. Ihr Gesang ist so, wie es der alte Hebräer (von bezwingender Solidität: Ante Jerkunica) Samson warnend beschreibt: „süss, aber gefüllt mit Gift und Trug".

Besser subtiler

Kasarova hat begriffen, dass die hintergründigen Töne in dieser Oper zwingend nötig sind. Sie weiss, dass eine mezza voce mehr einbringt als emotionale Selbstentäusserung. Sie zeigt uns, worin die Subtilitäten in der Verbindung zwischen ihr und Samson liegen. Von Dirigent Alain Altinoglu und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin wird sie darin einfühlsam unterstützt. Der Klang ist transparent, filigran. Ein Klang, der sich nicht vordrängt, der durch deskriptive Präzision jene Aura herstellt, aus der „Samson et Dalila" ihren Reiz zieht. ...

© klassik.com / 15. Mai 2011 / Michael Pitz-Grewenig

Grossartiges Gesangsensemble

Das grosse Duett am Ende des zweites Aktes zwischen Dalila und Samson (‚Mein Herz öffnet sich‘) mit seinen fahlen Farben, stehenden Gesangslinien in extrem hoher oder tiefer Lage, die plötzlich aufgebrochen werden, das Verweilen oder Verstummen, wurde von Vesselina Kasarova und José Cura kongenial umgesetzt. Sie entwickelten durch langsame Tempi eine Weiträumigkeit, die eine imaginäre und stimmungshafte Entwicklung erschuf, die bei aller Unbestimmtheit ihres existentiellen Daseins nie in eine diffuse Unbestimmtheit mündete. Beide Sänger entziehen sich, das war an diesem Abend wieder eindrücklich zu hören. Den normalen Kategorien der Beurteilung. Bei Vesselina Kasarova hat man den Eindruck, dass sie den Ton in jede Form modulieren kann: Flexibel und noch tragfähig in den extrem tiefen Lagen ihres Registers, dabei stets fähig zu eruptiven Ausbrüchen, gleichzeitig noch klangvoll auch in den höchsten Lagen.

Furioses Musiktheater der zarten Klänge

José Cura bewies, wie seine Partnerin, dass die Musik Saint-Saëns‘ durch kleinste klangliche Verschiebungen innere seelische Bewegungen von höchster Intensität auslösen kann. Überragend auch die musikalische und szenische Präsenz der weiter Agierenden ...

© Opernglas, Juni 2011, Seite 8, Ralf Tiedemann

... Die aufbrechende Emotion war verständlich, dazu bot die intensive Inszenierung mancherlei Anlass. Sängerschelte nach einem musikalisch so herausragenden Abend aber war respektlos und entbehrte jeder Relation. Insbesondere das Protagonistenpaar hatte sich im Dienste von Musik und Szene voller Hingabe eingesetzt und sich gegenseitig zu singulären Leistungen angespornt. Vesselina Kasarova hatte für ihr zeitlich mit Bedacht gewähltes Rollendebüt als Dalila eine ausserordentliche Vielfalt an Stimmfarben anzubieten, mit denen sie intensiv und emotionsgeladen den Charakter einer starken und doch innerlich sehr verletzlichen Frau zeichnete, ebenso echt und innig liebend wie furios, fast hysterisch aufbegehrend. Dass ihr dabei zuweilen die Höhe etwas scharf geriet, passte zu einer Interpretation, die auch sonst geprägt war von einer tiefen Durchdringung des vokalen Gehalts. Im Lyrischen wunderbar weich und elegisch aussingend, nahm die Sängerin ihre Stimme mitunter bis ins hervorragend tragende Pianissimo zurück und war gleichwohl zu jeder emphatisch aufegeladenen dramatischen Steigerung fähig. Die oft gehörte Wunschkonzert-Nummer „Mon cœur s'ouvre à ta voix" konnte so tatsächlich zu einem der Höhepunkte werden. ...

© Opera News, August 2011, Seite 45, A.J. Goldmann

... His Dalila was Bulgarian soprano Vesselina Kasarova, making a sensational role debut. She applied her dark, dramatic voice to sumptuous effect. Even at her gentlest and tenderest, her character's violence and rage leaked through in the gravelly quivering of her impressively full range. It was a menacing, seductive performance but one ill served by the production, which had her often shadowed by a small boy (Dalila's son, one wonders?) and his governess. ...